Feb
03
Samstag
KonzertRockDDR-Künstler

Karussell

Nicht nur die Rose geehrt

Lichtentanne – Selber zählen sie sich nicht zu den Ostrocklegenden. Dafür müsse „eine Band gut vierzig Jahre auf der Bühne stehen, da fehlen die sechzehn Jahre Pause“ (Joe Raschke). Der Youngster weiß – wie das Publikum – wohl, dass dafür allerdings ihre Lieder in diese Kategorie einzuordnen sind. Karussell, 1976 aus der Leipziger Gruppe Fusion und ehemaligen Mitgliedern der kurz zuvor verbotenen Klaus-Renft-Combo entstanden, trat darum für viele vor allem das musikalische Renft-Erbe an. Die lied- und balladenhaften wie melodiebetonten Stücke stellten genau das bei ihrem Konzert vergangenen Samstag im St. Barbara bestens unter Beweis. Das rein als Intro gedachte „Als ich fortging“ wurde im ausverkauften Haus unter Beifall für den Bühnenaufgang der Protagonisten des Abends sofort mitgesummt und -gesungen. Die anwesende reifere Generation zeigte sich fortan, ob leise für sich oder vereint laut als Chor, stets textsicher. Das Gros hatte wohl beide erwähnte Bands noch zu Zeiten erlebt, als hierzulande Das-zwischen-den-Zeilen-Lesen noch hoch im Kurs stand, sich möglicherweise deshalb manche Zeile unvergesslich gemacht hat (McDonald: …ich kenn´ keine Schafe, die sich ducken und machen, was andere sagen…).

Der Abend bot einen Querschnitt des gesamten Karussell-Schaffens (Entweder oder“ 1979, „Wie ein Fischlein unterm Eis“ 1984, „Rettet unsre Nacht“ 2011). Hier und da mit tollem Solo von Hans Graf (der Carlos Santana aus Leipzig) an der Gitarre, selbstverständlich großen Renft-Nummern und „Pflichtlektürenstück“ eines jeden Ostrockfans, dem „Cäsar-Hit“ an sich: „Wer die Rose ehrt“. Ebenso das Zeigefinger- oder besser Fingerzeig-Lied „Ehrlich will ich bleiben“, das Reinhard „Oschek“ Huth (einst „Beat-Club“-Mitbegründer) mit „aber nicht für uns, denn ihr seid ja auch gestandene Leute von hier“ anmoderierte. Karussell brachte auch zwei Lieder des im April erscheinenden neuen Albums zu Gehör. Mit „Geben oder Nehmen“ und „Sag deinen Namen“ stehen sie dabei voll in ihrer „Zwischen-den-Zeilen-Tradition“. Mit „Schön, dass ihr noch alle hier seid, nicht gegangen seid, heute gekommen seid“ (Huth), gab´s das Intro schließlich noch gesungen. Logisch, dass es ohne Zugabe nicht ging. Und mit der Liedzeile „Doch mit dem Kopf kann sie machen was sie will“ aus „Lieb ein Mädchen“ gab die Gruppe nochmals einen Fingerzeig für den Nachhauseweg. uhe

Fotos:

Die Mannen um Karussell-Frontmann Reinhard „Oschek“ Huth begeisterten bei ihrem dritten Konzert im St. Barbara mit einem Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Foto: uhe