Mär
25
Samstag
KonzertRockFolk/Weltmusik

Mila Mar

„Unsere Lieder sind zu laut, um in Stille abzutauchen.“

Beitrag Bernd Sonntag von www.konzertreport.de

Wenn eine im Jahr 1994 gegründete Band nach 4 veröffentlichten Alben Ende 2002 ihre letzte Tour spielte, um danach bis zum WGT 2015 völlig in der Versenkung zu verschwinden ist das schon ziemlich ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist allerdings, dass trotz so langer Pause die Publikumsresonanz ungebrochen hoch ist. Es muss sich also um eine außergewöhnliche Band handeln und die Liebhaber ihrer Musik sind in den vielen Jahren ohne Lebenszeichen nicht weniger geworden. Das zeigt sich auch im beschaulichen Lichtentanne bei Zwickau, wo die ehemalige Kirche St. Barbara (bzw. Sound Barbara) wie immer einen großartigen Rahmen bietet und sich Musikliebhaber von Nürnberg bis Brandenburg aufgemacht haben um sich von der Band verzaubern zu lassen. Und das fiel Sängerin Anke Hachfeld, Maaf Kirchner am Synthesizer, Katrin Beischer an der Violine und den Flöten, sowie Lars Watermann am Schlagzeug nicht schwer. Denn die ehemalige Kirche erwies sich tontechnisch als traumhafte Location für Mila Mar. Dadurch hatte man es umso leichter mit einem ziemlich schwer zu beschreibenden Musik- bzw. Stilmix zu glänzen.

Wie beschreibt man Mila Mars Musik? Neo-Folk, Nordisch-Folk, Ethno, gar Weltmusik oder avantgardistische Popmusik, orientalisch geprägter Folk, Schamanengesang, vieles findet sich in der Musik der Band wieder, keines trifft es wirklich so richtig. Selbst die Vereinnahmung der Band als Band der schwarzen Szene ist fragwürdig, auch wenn Mila Mar sicher eher als Vertreter dieses Musikstils, wie des Heavy Metal taugen. Aber eigentlich ist Mila Mar von jedem etwas und egal was man gerne hört in der Musik von Mila Mar kann sich der Grufti genauso verzaubern lassen, wie der Fan von Indie, Folk oder Popmusik.

Einzig der reine Mainstreamhörer wird wohl eher weniger glücklich sein, eine Unheilig-Karriere ist der Band somit eher nicht zuzutrauen. Aber wer hätte das bei Unheilig jemals gedacht.

Mila Mar ist also ein musikalischer Gemischtwarenladen aber nicht der Discounter den man an jedem Eck findet, eher der Edel-Lebensmittelladen der mit ganz Besonderem glänzt.

Mein hochgeschätzter Fotokollege Flo Hessler hat die Band für Schubladenfrei interviewt. (hier zum Nachlesen) und der Satz „Freude, Streit, Schmerz und Versöhnung-eben Leben“ beschreibt das Geschehen an diesem Abend und die Musik der Band eigentlich am besten – Leben musikalisch vertont in vielen Facetten, gesungen von einer Sängerin mit einem Vier Oktaven Organ. Und wer die Texte nicht versteht sollte sich nicht wundern, die von ihr entwickelte Fantasiesprache hat sich wie auch elbisch bis heute noch nicht als Weltsprache etablieren können.

Wesentlich schneller wie die Fantasiesprache etabliert sich da schon die Musik, die catcht das Publikum gleich beim ersten Song „Follow me“ und spätestens nach „Haime“ und dem „Elfentanz“ hat die barfüßige Sängerin und die 3 eher im Hintergrund agierenden Mitmusiker das Auditorium im Griff. Die lassen sich sichtbar verzaubern und erweisen sich zum Glück als aufmerksames, fast zu zurückhaltendes Publikum.

Und es war nicht nur eine Reise in die Vergangenheit. Neue Songs wie „Fliedermoos“, „Asche“ und „Sand“ sind genauso faszinierend wie älteren Werke ala „Djanga“. Ein Konzert aus einem Guss und trotzdem voller Abwechslung und als größtes Plus ein Sound der so perfekt abgestimmt war, dass man ohne Ohrstöpsel jeden Ton genießen konnte, ohne in der Angst zu leben morgen schwerhörig zu sein. So geht Live-Musik. Nicht 150 Dezibel und Ohrenschaden.

Da fällt es kaum ins Gewicht, dass die Videoinstallation nicht klappte. Mila Mar lieferten einen beeindruckenden Existenzbeweis ab, schön dass es sie wieder öfters zu erleben gibt.

Eins ist allerdings auch auffallend am Konzert, bei der Jugend, auch der „Schwarzen“ ist die Band noch nicht wirklich angekommen. Die muss man sich erspielen, Legendenstatus hilft da wenig. Das sollte bei solch fulminant schönen Konzerten wie das in Lichtentanne aber die leichteste Übung sein. Ein paar Gelegenheiten gibt es noch in diesem Jahr die Band live zu erleben, zum Beispiel am 02.07 in Nürnberg zusammen mit Cara und Broom Bezzums. Die Katharinenruine bietet die beste Location die man sich wünschen kann um Mila Mar optisch und akustisch so richtig zu genießen. Es wird ein Genuss jede Wette. Man darf sich auf eine ganz besondere Band freuen, eine die neben der Sängerin mit 3 weiteren großartigen Musikern besticht. Allein der Trommelsound (Sonderlob an Lars Watermann) an diesem Abend war das Eintrittsgeld wert. Schon gleich als dann alle 4 trommelnd loslegten.

Welcome back Mila Mar.