Apr
02
Samstag

"Betreutes Singen" - Liedkabarett

Immer noch schön tatendränglerisch mutig

Lichtentanne – Eine Hand reicht, um diejenigen aufzuzählen, die hierzulande humorvoll und mit Ironie den Alltag in Form von Kabarett- oder Varieté-Liedern vertonen. Immer noch mutig, zu motzen, ununterbrochen voller Tatendrang und natürlich beständig schön zeigte dies MTS vergangenen Samstag im St. Barbara. Mit ihrem aktuellen Programm „Betreutes Singen“ machten sie dort Station. Wenn auch nur zu zweit, „weil es schwer ist, einen guten Dritten für dieses Genre zu finden“, wie Band-Gründer Thomas Schmitt das Duo rechtfertigt, verhalfen Schmitt und sein Co Frank Sültemeyer mit heiteren Versen, ob gesungen oder in Form von Witzen und Limericks vorgetragen, gut einhundert Besuchern zu einem vergnüglichen Abend.

Dabei zog sich das neue „Kürzel-Motto“ makaber – taktlos – sauber ebenso durch die gut zwei Stunden. Ob jemand aus Berlin komme, habe prinzipiell erstmal nichts zu sagen. Das beweisen Merkel, Cindy und… eben ich, meint der 65-Jährige. Aus mein Haus, mein Boot, mein Pferd ist nun mein Knie, meine Hüfte, mein Wehwehchen geworden. Nichts sei mehr mit Stichproben, den One-Night-Stands. Da heißt´s jetzt früher „Ich bin fertsch!“ worauf sie, wenn er denn in seinem hohen Alter eine Jüngere fände, dann sage „Ich zweiundfertsch.“ Das „fertsch“ greift der gebürtige Berliner gleich auf und lässt das Publikum sein Umblättern der absolvierten Titelseiten des Abends damit kommandieren. Es sind hauptsächlich Stücke von der aktuellen CD „Stammtisch“, die zu hören sind. Geschickt umrahmt von Kamellen und neuen Narreteien. Mit Rucke di guh, rucke di guh, Blut ist im Schuh ließ der auch als Comiczeichner Agierende die Frage nach der rechten Braut namens Merkel offen und mahnt: Wenn deutsche Kicker bei Turnieren wieder Tore schießen – Vorsicht! können die im Bundestag wieder Haarsträubendes beschließen.

Mit den „Zehn Genießern“ gibt´s eine neue Folge der bisher aufs Korn genommenen Autofahrer, Schüler und Patienten. Aufs Korn nimmt sich Schmitt auch selbst bezüglich seiner Körperrundungen, da er, so Essen der Sex des Alters wäre, verdammt viel gehurt hätte. Gitarrist und E-Piano-Mann Sültemeyer sieht ihn allerdings eher als singendes springendes Tröpfchen, als Alternative zu Helene Fischer. Denn der gut 1.75m-große studierte Graphiker beweist auch im „Kleckerlied“, „Fernseh´n“ oder „Klagelied“ mehr als nur gesangliches Talent.

Endgültig auf ihrer Seite hat das Duo den Saal mit dem Jodellied. Jeder macht mit, nach bestem Wollen und Können. Es folgen Witze, Kalauer und Limericks am Stück – vom Papst, der von der Sauna begeistert ist und es auch in der gemischten versuche wolle wenn er sagt: „Na und, die paar Protestanten.“ Oder als typischer a-a-b-b-a-Fünfzeiler: Auf den högligen Höh´n der Rhön, tobte einst ein wilder Zyklön, er riss alles nieder, und kam niemals wieder, warum auch – war nichts mehr zu söhn. Selbstredend durfte das mitreißende und ausnahmslos mitgesungene Liebeslied an die Sowjetfreundin Tamara nicht fehlen, ehe sich das begeisterte Publikum in der Zugabe mit dem Lied des Volkspolizisten sogar selbst einbringt.

2017 feiert MTS sein 44jähriges Bestehen. „Da wird es eine Abschiedstour geben. 2018 dann eine Come back-Tour. Na und so weiter“, droht Schmitt. „So ihr uns noch hören wollt?“ Die Antwort erübrigt sich nach diesem erfrischend unterhaltsamen Abend. uhe