Apr
28
Dienstag
Autorenlesung

Dr. Edmund Käbisch

Buchlesung „Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter“

Pfarrer Edmund Käbisch schildert auf 452 Seiten die Ereignisse, die 1989 zur friedlichen Revolution in der Region Zwickau führten. Als Zeitzeuge rekonstruiert er aus verschiedenen Perspektiven das Ende des DDR-Geheimdienstes Stasi. Er hat in über 450 Stasi-Akten recherchiert und in ungezählten Dokumenten öffentlicher Archive geforscht. Er erlangte Kenntnis vom konspirativen Denken und Handeln der Stasi-Offiziere, inoffiziellen Mitarbeiter (IM) und SED-Funktionäre. Sie waren Täter und ihr Wirken werden als belegbare Tatsachen dokumentiert.

Seit 1992 führte Käbisch über 50 Gespräch mit Tätern, die er in einem Erinnerungstagebuch festhielt und die Inhalte jetzt veröffentlicht. Es fanden sowohl unterschiedliche Begegnungen als auch öffentliche Podiumsdiskussionen statt. Teilweise entstanden über Jahre hinweg Briefwechsel, die mitunter kontrovers endeten. Einstige Machthaber wollten nicht wahrhaben, dass ihr Pferd, auf dem sie einst saßen, längst tot ist.

Käbisch beschreibt auch den Mut und die Visionen der Akteure, die sich für Gerechtigkeit, Freiheit, Menschrechte und Demokratie einsetzten. Sie wollten die sozialistische Gesellschaft verändern und besser machen. Jedoch die Staatsmacht hat sie als Feinde gesehen und geheimdienstlich bearbeitet. Sie unterlagen den perfiden Stasi-Maßnahmen der Zersetzung und wurden zu Opfern.

Weiterhin beeinflusste das DDR-Regime planmäßig die sächsische Landeskirche. Extra wurde ein „Zwickauer Modell“ entwickelt und erfolgreich durchgeführt. Einzelne kirchliche Amtsträger gingen im Sinne der SED und Stasi gegen die Akteure einer „Kirche von unten“ vor und wurden zu Erfüllungsgehilfen des Staates. Bis heute zeigen die Verantwortlichen der Landeskirche kein Interesse, dieses Versagen und die Schuld der eigenen Leute aufzuklären.

Das Buch endete mit der These: Der nicht aufzuhaltende Vertrauensverlust der sächsischen Landeskirche ist von ihr selbst mit verursacht, weil keine sachgerechte Aufarbeitung der DDR-Zeit erfolgte.

Das Buch ist einmalig, denn die langen Schatten der Stasi, die heute noch wirken, wurden so noch nie beschrieben.

Eine Veranstaltung des Fördervereins St.Barbara e.V. in Zusammenarbeit mit Liederbuch e.V.

Eintritt frei